Aus voller Kehle sang der Männergesangverein Illertissen und feierte sich damit am Wochenende auch
ein Stück weit selbst. Der Chor tritt seit 150 Jahren auf und ist in vielen Städten und auf vielen Bühnen
unterwegs. Viele andere Chöre und die Illertisser Bürger feierten mit. Foto: Lisa Ranz
Ein feierlicher Gottesdienst, ein Umzug zur Matinee im Zelt, dann eine Ausstellung zur Geschichte und schließlich viel Gesang: So hat der Männergesangverein Illertissen gestern seinen 150. Geburtstag gefeiert.
Lisa Ranz
Illertissen
"Die Gestaltung war phänomenal", sagte die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk über den Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen des Illertisser Männergesangvereins. Die 60 Sänger hatten die Messe Breve des französischen Komponisten Charles Gounod eigens für den Gottesdienst einstudiert, mit dem Stadtpfarrer Markus Dörre die Feierlichkeiten des Vereins gestern feierlich eröffnete.
Anschließend marschierten Ehrengäste, Sänger und Patenvereine aus Au und Unterroth mit Fahnenabordnungen und im Takt der Stadtkapelle unter viel Applaus zum Festzelt auf dem Marktplatz. Sogar eine Abordnung des befreundeten Männerchors aus dem finnischen Tervakoski bei Helsinki war zu Besuch gekommen.
"Musik spricht den ganzen Menschen an, sie bringt alle menschlichen Empfindungen zum Ausdruck", sagte Beate Merk, die die Schirmherrschaft für die Jubiläumsfeier übernommen hatte. Und weiter: "Musik verbindet nach wie vor die Männer im Verein, aber Musik verbindet den Chor auch mit den Zuschauern und macht ihn zur unverzichtbaren Stütze des kulturellen Lebens in der Stadt." Das breite Repertoire und die vielen weiten Konzertreisen in alle Welt bewiesen, dass in den Chören Weltoffenheit und Tradition vereint seien. Die Illertisser Sänger waren beispielsweise schon im Herkulessaal in der Münchner Residenz zu Gast, im Petersdom in Rom und in großen Domkirchen wie Würzburg oder Salzburg und sogar in der Felsenkirche in Helsinki, zuletzt an Pfingsten waren sie in Berlin.
Unter Leitung von Fritz Unglert, der im Herbst 2007 nach 33 Jahren den Posten als Chorleiter abgegeben hatte, sind die Illertisser zusammen mit bekannten Künstlern wie Günter Wewel, oder Marko Kathol und großen Orchestern aufgetreten, darunter die Münchner Symphoniker und das Stamitzorchester aus Mannheim.
"Wir blicken stolz zurück auf einen traditionsreichen Männerchor, müssen aber gleichzeitig nach vorne schauen, damit wir jung und aktiv bleiben", sagte der erste Vorsitzende Markus Merkle. Der 35-Jährige steht dem Verein bereits seit sieben Jahren vor. Zwischen 17 und 83 Jahren sind die Sänger, die sich jeden Mittwoch zur Probe treffen. Sie stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und sie prägen das ganze Jahr über mit Veranstaltungen wie dem Weinfest oder dem Weihnachtssingen das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Illertissen. "Singen ist immer noch ein unverzichtbares gemeinschaftsbildendes Erlebnis", sagte Landrat Erich Josef Geßner in seinem Grußwort. Der Präsident des Chorverbandes Bayerisch-Schwaben, Paul Wengert, nannte den Illertisser Männegesangverein ein hervorrages Beispiel für Chorarbeit. Weitere Glückwünsche kamen von Bürgermeisterin Marita Kaiser und vom Vorsitzenden des Iller-Roth-Günz-Sängerkreises, Gerhard Leopold.
Am Nachmittag bot sich Gelegenheit, die Sonderausstellung zum Vereinsjubiläum im Haus am Markt anzuschauen. Alte Chroniken und Ehrenkrüge, Bilder von Ausflügen Faschingsbällen und eine Auflistung aller bisheriger Chorleiter und Vorstände geben dort einen Einblick in das Vereinsleben. Noch bis einschließlich nächsten Sonntag ist die Ausstellung im Foyer zu besichtigen.
Im Zelt auf dem Marktplatz spielte zur Matinee die Stadtkapelle und am Nachmittag war schließlich viel Chorgesang zu hören: mit dem Jubiläumschor sowie dem Gesangverein Jedesheim, der Chorgemeinschaft Betlinshausen, den Chorkids Illertissen, der Singgemeinschaft Tiefenbach, dem Männergesangverein Unterroth und der Chorgemeinschaft Au/Iller.